Silke Fischer-Imsieke

Werke (Auswahl) / Vita

AUSSTELLUNGEN

2017
WELCOME TO MY ROOM, St. Gertrud, Köln
2017
OUT OF THE BLUE, DISPLAY – project-space by Greylight Projects, Hoensbroek (NL)
2016
Snap to Grid, Los Angeles Center for Digital Art, LA, USA, mit Elli Kuruş
2016
Nacht der Kunst, Leipzig
2016
Semantic Riots, Ausstellungsraum Klingenthal, Basel, Switzerland, mit Elli Kuruş
2016
Invisible Hand, The Great Book of..., Galerija Miroslav Kraljević, Zagreb, Croatia mit Elli Kuruş
2015
SPOTS. Zum 25-jährigen Jubiläum des BBK LEIPZIG e. V.,Tapetenwerk Halle C, Leipzig
2015
25 Jahre Kuenstlerhaus am Acker, Berlin, mit Elli Kuruş
2015
best evidence rule, KV – Verein für zeitgenössische Kunst, Leipzig, mit Elli Kuruş
2015
The third space, Internationales Austausch- und Ausstellungsprojekt des BüKü, Leipzig, mit Elli Kuruş
2014
zeitgleich - zeitzeichen, Tapetenwerk Halle C, Leipzig
2013
jees, I’ve never seen that before, Ausstellung Internet-bezogener Kunst, Hildesheim
2013
THE SUPERSHOW, Halle 14, Leipziger Baumwollspinnerei, Leipzig
2013
Diplomausstellung der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
seit April 2013
BLANK SPACE, eine Aktion des Instituts für Zwischenraumstudien
2012
DLF 1874: DIE BIOGRAFIE DER BILDER – EINE INVENTUR DER VORAUSSETZUNGEN, Halle 14, Leipziger Baumwollspinnerei, Leipzig
2011
Editing Spaces. Reconsidering the Public. Vilnius
2011
PAL POSITIONS Kooperationsprojekt der Klasse für Mass Media Research und Kunst im medialen öffentlichen Raum und Okto.TV, Wien
2010
IN PUBLIC RELATION, Messehof, Leipzig
2010
Kunst im Tower, Energie AG, Linz
2010
zweipluseins, Galerie ARTACKER, Berlin Mitte
2009
KlangLand 09 - Transformation, Ausstellung zur Klangkunst, Kunsttempel, Kassel
2009
untitled, Weißenfelser Str. 84, Leipzig
2007
3. Festival Freie Szene im sowjetischen Pavillon, Leipzig

WELCOME TO MY ROOM ist eine Ausstellung, die über einen längeren Zeitraum von fünf Künstlerinnen aus Köln, Leipzig und Paris speziell für St. Gertrud erarbeitet wurde. Leitend waren hierbei die Fragen: Was empfinden wir, wenn wir die Kirche St. Gertrud betreten? Was ist das für ein Raum? Wie finden wir uns darin wieder? Welchen Einfluss hat das Sakrale, hat die spezielle Architektur auf die Entwicklung der künstlerischen Arbeit in St. Gertrud? Daraus gingen verschiedene ortsspezifische Positionen hervor, die sich sowohl auf die Architektur und/oder die sakrale Identität St. Gertruds beziehen als auch untereinander in Verbindung treten. So entstand ein vielschichtiger Resonanzraum, der neue Perspektiven eröffnet.

WELCOME TO MY ROOM is an exhibition which was developed by five artists over a longer period. Main issues were the building and the perception inside St. Gertrude’s Church. Also the influence of the architecture itself and of the sacral significance to the artworks has been surveyed. From the discussions different site-specific artworks arose, which become connected to St. Gertrude’s Church also among themselves. The artists are graduates of the Academy of Fine Arts, Leipzig: Nora Bodnar, Joana Brunkow (joanabrunkow.com), Silke Fischer-Imsieke (fischer-imsieke.de), Lorraine Garchery (histoires-de-lorraine.fr), Ira Nimsdorf (iranimsdorf.de)

Highway

Installation, 2017
Nora Bodnar & Silke Fischer-Imsieke
Material: Papier, Klebeband, Nylonfaden

Die Installation Highway wurde aus dem Anliegen heraus entwickelt, einen Kontrapunkt zu der massiven brutalistischen Bauweise St. Gertruds zu setzen. Zusammengeklebt aus einzelnen Papierstreifen, ist die Leiter von skizzenhaftem Charakter und beschreibt mehr eine Idee als ein konkretes Vorhaben. Entlang der Leiter gleitet der Blick nach oben, und mit ihm werden zahlreiche Assoziationen hervorgerufen. Als Gegenpol zu der komplexen Struktur und schweren Materialität St. Gertruds lädt die Installation auch dazu ein, zumindest in der Vorstellung eine anderer Position einzunehmen als diejenige, die dem Menschen durch die Architektur zugewiesen wird.

The installation Highway was developed as a counterpoint to the massive brutalist structure of St. Gertrude’s Church. The paper ladder is built out of single strips and can be understood as a sketch or an idea. The view along the ladder evokes multiple associations. As a material antipole, the installation also invites the spectator to change their point of view and questions the role that St Getrude’s architecture has allotted to man.

Over the Horizon

Installation, 2017
Nora Bodnar & Silke Fischer-Imsieke
Material: Smartphone, Videoloop

Auf der Bank gegenüber dem Altar in der kargen Krypta St. Gertruds klingelt ein Smartphone. Das Display zeigt den eingehenden Anruf von einer privaten Nummer, ein unbekannter Teilnehmer, der permanent versucht, den/die Besitzer_in des Smartphones zu erreichen. Ohne dass es möglich ist, das Klingeln zu unterbrechen, wohnt der/die Besucherin einem andauernden Kommunikationsversuch bei. Durch die räumliche Anordnung der Installation, entsteht eine ganz eigene Dynamik, innerhalb der aber letztlich offen bleibt, wer dort versucht wen anzurufen.

On a pew vis-à-vis the altar of St Getrude’s austere crypt a smartphone is ringing. The display shows an incoming call from a private number, an unknown participant, who tries permanently to reach the owner of the smartphone. Without a chance to stop the call, the spectator attends an ongoing communication attempt. Due to the smartphone’s specific location particular dynamics are emerging. Finally it’s left open who is trying to call whom.

Elli Kuruş nimmt mit der Installation »History of Political Operating Systems 304« die unmittelbar bevorstehende Genese einer globalen digitalen Dienstleistungsgesellschaft schon jetzt vorweg. Sie entwirft ein Zukunftsszenario, in dem die staatlichen Grenzen aufgelöst sind und Menschen sich Regierungs-Angebote aus einem Menü individuell zusammenstellen. Im Stil einer Video-Vorlesungsreihe aus einer spekulativen Zukunft werden die Dysfunktionalitäten nationalstaatlicher Strukturen als kurze Episode einer kaum verständlichen Vergangenheit verhandelt.

Elli Kuruş befragt innerhalb der Installation Invisible Hand, The Great Book of… verschiedene historische wie auch gegenwärtige Praktiken des „Unsichtbarmachens“ von Arbeit. Mehr Informationen unter Elli Kuruş und Blenderei

Invisible Hand, The Great Book of... unearths and exposes forgotten and forgettable images of labour through a series of digital excavations and transformations. For more informations: Elli Kuruş and Blenderei

(detail)

The alternative view and the vision of J.-L. Nancy's comparaître (appearing-together – zusammen-erscheinen)

Drawing, 2015
80 x 100 cm, Pencil on Paper
Part of the installation History of Political Operating Systems by Elli Kuruş

The diagram paradigmatically shows a graphical approach to the idea of community by the french philosopher Jean-Luc Nancy. In the foreground there is Nancy's assumption that community isn't constituted by people but is already established in the comparaître (appearing-together; zusammen-erscheinen ) of the singular beings. („/La communauté désoeuvrée/.“ Christian Bourgois, Paris 1983). On the level of the visual perception the equality of the singular dots causes the view's decentralization which is comparable to the description of the alternative view by Susan Sontag “The alternative view denies the traditional hierarchies of interest and meaning, in which some things have more ‘significance’ than others.” (http://www.ubu.com/aspen/aspen5and6/threeEssays.html#sontag)

In a way these visual impression can be taken as a (utopian) model of a decentralized community: In the comparaître traditional hierarchies doesn't matter any longer, everybody is part of it and has the same amount of responsibility. In awareness of the utopian character of models like these, elli kuruş also surveys the political possibilities inside technology: So for example the question wether a community is organized in a blockchain system could be a technical approach to the comparaître.

platonic bodies

virtuelle Installation, 2015
in Zusammenarbeit mit Elli Kuruş

Innerhalb des Künstlerkollektivs Elli Kuruş haben wir uns über einen längeren Zeitraum mit der Struktur der Platonischen Körper, ihren inhärenten historischen Aspekten und ihrer medialen Repräsentation auseinandergesetzt.

Die Platonischen Körper vereinen in sich das Ideal von Harmonie und Logik und sind aufgrund ihres Aufbaus beliebt und leicht mittels 3D-Software zu generieren. Mit der Frage, in welchem Verhältnis der Mensch und geometrische, algorithmische und mathematische Perfektion stehen, haben wir die platonischen Körper per Hand modelliert, ohne Hilfswerkzeuge zu benutzen.

Im Folgeschritt haben wir die Plastilin-Modelle mit dem 3D-Scanner gescannt und die Daten in Blender bearbeitet. Im Anschluss wurden und werden die handgemachten, digitalisierten Skulpturen in neue Zusammenhänge gesetzt, auch um durch deren transformierte mathematische Schönheit, den Anspruch, die Welt durch Reduktion und Logik zu präsentieren, genauer zu hinterfragen.

Within the artist collective Elli Kuruş, we survey the structure of the platonic bodies, their inherent historical notion and their media presentation.

The platonic bodies embody an ideal of harmonic order and logic and are easy and popular to create in 3D programs. With the question of human imperfection in relation to geometric, algorithmic and mathematical perfection in mind we modeled the platonic bodies by hand without any facilities.

Then we scanned the models with the 3D scanner and edited the data with Blender to set the digital hand-formed sculptures into new contexts. The 3D scans of hand-formed sculptures relate to the history of platonic bodies and transform their mathematical beauty, their claim to represent world through reduction and logic.

BLANK SPACE – eine Aktion des Instituts für Zwischenraumstudien IfZS, seit 2013

14.437 zufällig ausgewählte (Leipziger) Bürger_innen erhalten im Lauf der kommenden Jahre Post. Der Inhalt der von mir zugestellten Briefe: Jeweils ein Leerzeichen aus dem Textdokument meiner theoretischen Abhandlung Tosende Stille und randvolle Leere – über politische Dimensionen des künstlerischen Nichts gedruckt auf weißem Papier. Die offensichtliche Leere und vordergründige Zweckfreiheit kann verstören, fernab von alltäglicher Effizienz kann sie aber auch den Blick öffnen für die potentiellen Möglichkeiten, die in der Unbestimmtheit verborgen liegen. Jedoch lässt sich die Arbeit nicht auf diesen Zweck reduzieren; er bleibt so offen wie jeder einzelne der Briefe selbst. So liegt es letzlich in der Hand der Empfänger_innen, wie sie mit der geschenkten Leerstelle verfahren.

English information

Mehr Informationen unter www.fischer-imsieke.de/ifzs/
Archiv der Botengänge www.fischer-imsieke.de/ifzs/archiv/

interface

C-Print, Alu-Dibond, Acrylglas
80 x 60 cm
2012

Die Entstehungsgeschichte der Arbeit interface führt zurück auf die Interaktion und das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine.

Was im ersten Moment an ein abstrakt expressionistisches Gemälde erinnert, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine Fotografie, die die benutzte Oberfläche eines iPads zeigt. Infolge der taktilen Navigation auf der grafischen Benutzeroberfläche hat sich im Laufe eines Tages ein eigenständiges Bild entwickelt.

Jedoch erst mit dem Ruhezustand der Maschine erscheinen die Relikte der Interaktion in einer ganz eigenen, autonomen Komposition, deren spannungsreiche Dynamik den Blick weit hinter die glatte Oberfläche in die Tiefe zieht.

The genesis of the work interface leads back to interaction and the relationship between man and machine.

What resembles an abstract painting at first sight happens to be a photograph of an iPad's heavily utilized surface. Resulting from tactile interactions, a distinct image emerged in the course of a single day.

But only when the device was switched off, the interactions' relics appeared as a peculiar, autonomous composition. Its dynamic tension draws the eye beneath the smooth surface into the depths.

Silke Fischer-Imsieke, 2012

screencast HD / loop

Freistellen

screencast HD / loop
24 Zoll Monitor
2012

Die Arbeit Freistellen zeigt eine Bildschirmaufnahme, die die klassische Oberfläche des Bildbearbeitungsprogramms Photoshop wiedergibt. Zu sehen ist eine geöffnete Datei im Standardformat, in der das Freistellungswerkzeug angewendet wird. Die Funktion des Freistellungswerkzeuges wird in der Photoshop-Hilfe wie folgt beschrieben: „Beim Freistellen werden Teile eines Bildes entfernt, um andere Teile in den Vordergrund zu rücken oder den Bildaufbau harmonischer zu gestalten.“

In der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Freistellungsvorgang wird dieser bis an die Grenzen des Programms getrieben. Von der schrittweisen Annäherung an einen Ausschnitt bleibt nur noch eine Markierungslinie, deren Strichelemente sich im Loop von einem Ende zum anderen bewegen.

Das Innehalten vor dem letzten Freistellungsbefehl dehnt sich ins Unendliche und changiert zwischen Be- und Entgrenzung. Die traditionelle Figur-Grund Unterscheidung weicht dem Moment der Potenz und lädt ein, in der Unbestimmtheit zu verharren.

The work “Freistellen” (cropping) is a screencast taken from the image manipulation program Photoshop. It features Photoshop's standard user interface where the cropping tool is applied. In the application's help files, this tool is described as follows: “Cropping is the process of removing portions of an image to create focus or strengthen the composition.”

The artistic treatment carries this process to extremes: by shrinking the cropping area step by step, there are only the selection's dashed marker lines left and the dashes move from one boundary to the other.

The hesitation before applying the ultimate cropping action stretches into eternity, oscillating between bounded and unbounded states. The traditional figureground discrimination gives way to a moment of possibilities, inviting the beholder to linger in this indeterminacy.

Silke Fischer-Imsieke, 2012

"wanted"
Billboard, Print
1463 x 426 cm
2011
Ozo gatve - Geležinio Vilko gatve, 21.05.- 26.06.2011, Vilnius
supported by Baltijos vaizdine reklama

Die Arbeit wanted entstand im Rahmen des Austellungsprojektes „Editing Spaces. Reconsidering the Public“ 2011 in Vilnius, Litauen, das sich vornehmlich Positionen im (medialen) öffentlichen Raum gewidmet hat. Sie zeigt die Fotografie der nackten elektronischen Kontakte der ausgebauten Space-Taste einer Laptop-Tastatur. Was geschieht, wenn keine Möglichkeit mehr besteht, die Leertaste zu nutzen?

Ein Text, der keine Leerzeichen zwischen den einzelnen Wörtern lässt, ist kaum noch lesbar. Im übertragenen Sinne lässt sich die Frage allgemeiner formulieren. Wie gestaltet sich eine Gesellschaft, wenn kein (Frei-)Raum gegeben ist, sei es Raum, um zu sprechen, zu denken oder auch Umwege zu gehen.

Mit der Einbettung in ein großflächiges Werbeformat erhält die Arbeit wanted unwillkürlich den Charakter einer Anzeige. So gibt es viele verschiedene Ebenen, diese zu lesen; im Großen und Ganzen jedoch ist sie als Kampagne zu verstehen, als Kampagne für mehr Raum im weitesten Sinne des Wortes.

The work "wanted" was created for the exhibition project "Editing Spaces. Reconsidering the Public" that took place in Vilnius, Lithuania, in 2011. The project was dedicated to artistic positions that deal with, and take place in, the public space.The work displays a photograph of the bare metal contacts beneath a removed space bar on a computer keyboard.

What will you do if you cannot press space any more? A text that lacks spaces between the words is hardly comprehensible. If the interword space serves as a metaphor for the space to live or the amount of leeway that individuals enjoy in a society, how does the question above translate to that context? What is a society like in the absence of space, leeway, or liberty, be it room to live, to speak freely, to think, to take detours?

Embedded in a large-scale billboard, the work "wanted" unvoluntarily becomes something like an advertisement. There are multiple levels to read it as such. Without going into the details here: By and large, it may be regarded as a campaign for more space in the broadest sense.

Silke Fischer-Imsieke, 2011


"DROP OUT AND GET IN"
Pillar
Print, webcam No.43 from http://www.sviesoforai.lt, internet, any QR code reader application, mobile phone with internet access, 135 x 298 cm
2011
Laisves prospektas/Rygos gatve, busstop, 22.05. – 29.05. 2011, Vilnius
supported by Clear Channel Lithuania

Die Arbeit Drop Out and Get In kann als künstlerisches, partizipatives Experiment verstanden werden, das sowohl Fragen allgegenwärtiger Videoüberwachung als auch alltägliches Nutzerverhalten im Internet beleuchtet.

Für das Projekt wurde die Webcam eines Verkehrsinformationszentrums in Vilnius genutzt, deren URL frei zugänglich ist. Diese URL wurde in einen QR- Code transformiert, der mit allen gängigen Smartphone-Modellen und der entsprechenden Software zu decodieren ist.

In einem weiteren Schritt wurde der so ermittelte QR- Code auf den Werbeflächen an einer Bushaltestelle platziert, die sich im Aufnahmebereich der Kamera befindet. In dem Moment, in dem Passanten den QR- Code einscannen, werden sie automatisch mit der Kamera verbunden, die sie gerade aufnimmt.

Mit der Erkenntnis, dass er/sie von der „gesamten Welt“ aus beobachtet werden kann, werden Passanten möglicherweise versuchen, sich aus dem Bildbereich zu entfernen, oder aber auch die Situation nutzen, um eine Nachricht zu hinterlassen.

Der Titel der Arbeit bezieht sich auf das Zitat Marshall McLuhans „The winner is the one who knows when to drop out in order to get in touch“. Im Kontext der Arbeit kann der Titel auf verschiedene Weisen gelesen werden. Einerseits beinhaltet er einen vornehmlich physischen Aspekt, der im Sinne einer Aufforderung, die Passanten einlädt, sich aus der digitalen Welt auszuklinken und in direkten Kontakt mit den Umstehenden zu treten. Insbesondere aber handelt die Arbeit davon, einen passiven, unbedachten Umgang mit (digitalen) Medien zu überwinden, um mit einer bewussten, aktiven Handlungsweise die Möglichkeiten zu erkennen, die sich hinter der gewöhnlichen Nutzung verbergen.

The project "DROP OUT AND GET IN" can be taken as an open, partizipating experiment. It starts to work at the moment the viewer begins to take an active part. For realizing this artwork, I used webcam No. 43 from the traffic information website of Vilnius (http://www.sviesoforai.lt/). This webcam is pointed at a busstop on the crossroad Laisves prospektas - Rygos gatve in Vilnius.

The webcam has its own URL for which I created the corresponding QR code. The QR code, which stands for „Quick response code“, is a two-dimensional barcode. It can be decoded with a free tool on a smartphone or any mobile phone with internet access. I created a poster, which shows this QR code with the message "DROP OUT AND GET IN" and an introduction into the handling. The poster is placed at the pillar right at the busstop, which is normally used for advertising.

As the spectator decodes the QR code with his mobile phone, he will see the setting he is part of through the eye of the World Wide Web on his mobile phone.

By realizing they could be observed from the "whole world" viewers may start to hide or act. Maybe some people will even use it as an extraordinary platform to pass a remark. The title "DROP OUT AND GET IN" is referring to McLuhans quote “The winner is one who knows when to drop out in order to get in touch.”

In the context of this art experiment, the title can be construed in different ways. On the physical level you can read it as an invitation to drop out of the digital world to get in touch with the people right next to you. But in a wider sense this artwork is rather about droping out of a passiv practice of digital media and getting into a conscious activ attitude towards it, exploring the opportunities beyond the accepted usage. Droping out of being just another piece of world wide data-trash, people can use the experiment to get in touch and make a mark on the nexus.

Silke Fischer-Imsieke, 2011

top kill
BP-Livestream des Öllecks im Golf von Mexico, ausgestrahlt von CNN
LCD Monitor, 16 Zoll
2010

Die Arbeit top kill steht in engem Zusammenhang mit dem Ort, der Zeit und der Thematik der Ausstellung IN PUBLIC RELATION der Klasse für Mass Media Research und Kunst im medialen öffentlichen Raum, Prof. Günther Selichar / Dr. Claudia Tittel, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig.

Die Ausstellung fand vom 18.06.-17.07.2010 im Messehof, einer Einkaufspassage im Zentrum Leipzigs, statt. Zu diesem Zeitpunkt beherrschten zwei Themen die Medien: die Fußball- Weltmeisterschaft und die Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Ende Mai 2010, ein Monat nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon, forderte der US-Kongress von BP, die Aufnahmen der Arbeiten am Ölleck im Golf von Mexico im Internet zu übertragen. Seitdem sind die Livestreambilder des „BP oil spills“ in den Medien allgegenwärtig, der US amerikanische Fernsehsender CNN überträgt den Livestream 24 Stunden täglich.

In Anlehnung an die bildschirmbasierte Werbung in der Auslage benachbarter Geschäfte ebenso wie an die dort positionierte Fernsehübertragung der Fußball WM wurde der Livestream auf einem 16- Zoll-LCD-Monitor im Schaufenster der temporären Galerie übertragen. Der Titel der Arbeit top kill steht für einen gescheiterten Versuch, das Ölleck zu schließen und ist der Nomenklatur des BP-Krisenmanagements entnommen. In der Kombination mit der formalen Präsentation der Arbeit verschärft sich so die absurde Umkehrung gewöhnlicher PR-Strategien.

Die Frage nach Machtverhältnissen zwischen Regierung, Wirtschaft und Massenmedien stellt sich täglich neu, nicht zuletzt angesichts des jüngsten Versuchs der Republikaner, den Ölteppich als Obamas „Katarina“ öffentlichkeitswirksam zu vermarkten. BP Livestream ausgestrahlt von CNN: http://edition.cnn.com/video/flashLive/live.html?stream=3

The work „top kill“ is closely related to place, time and topic of the exhibition „IN PUBLIC RELATION“ arranged by the class of Mass Media Research and Art in Public Media Space led by Prof Günther Selichar and Dr. Claudia Tittel, Academy of Visual Arts, Leipzig.

The exhibition took place in the „Messehof“, a shopping mall in the centre of Leipzig, from June 18th til July 17th 2010. At this time the media was ruled by two major topics: the World Football Championship and the oil spill in the Gulf of Mexico. At the end of may, one month after the explosion at the oil platform Deepwater Horizon, U.S. congress claimed BP to broadcast the recordings of the work at the oil leak in the Gulf of Mexico on the internet. Since then livestream pictures of the „BP oil spill“ were ever-present in the media. U.S. cable news channel CNN broadcasted live 24 hours a day.

Referring to the screen based advertisment in the close-by shop windows and the television coverage of the World Football Championship displayed on those screens a 16 inch LCD monitor showing the livestream was placed in the window of the gallery. The title of the work „top kill“ stands for the failed attempt to close the oil leak and was taken from the nomenclature of BP's management of crisis situations.

Through the combination of the work's formal presentation the grotesque reversal of common PR strategy heats up. The power relations between government, economy and mass media are asked daily new, not least because of Republicans attempt to merchandise the oil spill as Obama's „Katarina“ in a good publicity way.

x-Welt der Wissenschaft from Silke Fischer-Imsieke on Vimeo.

Silke Fischer-Imsieke

x – Welt der Wissenschaft
HDV, 6:48 min
2010

„Willkommen zu unserer Sendereihe Welt der Wissenschaft. Heute geht es um ein Thema, an dem sich schon viele Geister zerstritten haben. Es dreht sich um die Frage, warum Männer mehr verdienen als Frauen? Nach neuesten Erkenntnissen der Forschung liegt die Antwort hierfür in den Genen.….“ (Zitat, x - Welt der Wissenschaft )

Im Fokus dieser Arbeit steht die Auseinandersetzung mit aktuellen Bildungs- und Wissenschaftssendungen, wie sie tagtäglich im deutschsprachigen Fernsehen ausgestrahlt werden. Das besondere Interesse hierbei gilt den Fragen, wie „Wissen“ massenmedial vermittelt wird und welcher Bildsprache sich die entsprechenden Sendeformate bedienen, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen.

Anhand eines fingierten Sendebeitrags, der sich mit dem Ursprung der Geschlechterdifferenz befasst, werden Strukturen der medialen Wissensvermittlung analysiert. So entspricht etwa die bildhafte Darstellung der Thematik ihrer inhaltlichen Aufbereitung. Eingängige Bilder werden mit vereinfachten und verkürzten Theorien kombiniert, so dass ein leicht verständliches Fazit gezogen werden kann. Zudem erlaubt es eine weitgehend uniforme Bildsprache, schnell an bereits Gesehenes und Gehörtes anzuknüpfen. Bereits der Habitus eines Wissenschaftsmagazins bewirkt, dass dem Inhalt weniger kritisch gegenüber getreten wird.

„Welcome to our serial x – World of science. Many opinions have differed on today's topic: why do men earn more than women? Based on the newest knowledge in research it all comes down to the genes“ (quote from x – world of science)

The analysis of current educational and science shows, broadcasted daily on german TVs, create the spotlight of this artwork.

The particular interest apply to the questions how „knowledge“ is provided by mass media and which imagery corresponding genres use to create reliability. On the basis of a fictitious broadcast segment, dealing with the origin of the gender difference, structures of the medial transfer of knowledge are analysed. In this case for example the illustration of the topic is just about equal to its contentual editing. To sum up in a plain way, plausible pictures are combined with simplified and shortened theories.

An extensive complient imagery furthermore allows a fast connection to the previously things heard and seen. Already the habitus of a science magazine effects a less critical examination of its contents.

Silke Fischer-Imsieke

ohne Titel
Installation / 2009
Material: Küchentisch (Spanplatte/Holz, weiß), Seidenpapier, Kopierpapier, Papierbogen,
Kopierrad, Kopfhörer

Soundloop, 1:15min

Eng verschränkt mit den räumlichen Begebenheiten des Ausstellungsraumes versetzt die Installation den Betrachter in eine klinische, fast klaustrophobische Szenerie. Die Fenster gewähren keinen Ausblick, und die Geräusche der Außenwelt sind nur gedämpft wahrzunehmen. Der Fokus wird auf einen Tisch in der Raummitte gelenkt, auf dem verschiedene Schichten unterschiedlicher Papiere ausgebreitet sind. Nähert man sich dem Tisch, ist zu erkennen, dass es sich um einen überdimensionalen Schnittmusterbogen handelt, der weit über den Tisch hinausragt.

Unter ihm befinden sich Kopier- und Trägerpapier, welche unzählige Kopierspuren aufweisen. Das Kopierrad liegt auf dem Tisch, bereit für den nächsten Einsatz. Über einen Kopfhörer, der neben dem Tisch hängt, ist das Geräusch von Kopierrädern zu hören. Erst langsam, dann immer schneller werdend, schwillt der Ton zu einem treibenden Klangteppich an, der an das Kläffen wütender Hunde oder an das ohrenbetäubende Dröhnen eines Autorennens erinnert. Der Sound steigert sich bis ins Unerträgliche und endet in einem klirrenden Zusammenbruch, um wenige Sekunden später erneut einzusetzen.

Was wird an diesem Tisch seziert?

Der Schnittmusterbogen ist ein Konstrukt. Er beinhaltet Originalschnittmuster (burda moden) von Frauen-, Männer-, Kinder- und Babybekleidung und umfasst somit sinnbildlich Strukturen der „kleinsten gesellschaftlichen Zelle“, des klassischen Familienmodells.

Betrachtet man Bogen und Kopien zeigt sich auf den ersten Blick nur ein unzusammenhängendes Bild von Linien und Punkten. Bei genauerem Hinsehen erweist sich das anfängliche Chaos jedoch als eine Vielzahl von Verschiebungen immer der gleichen Muster.

Durch die sich endlos wiederholende Reproduktion der einzelnen Schnittmusterteile entstehen unzählige Variationen in der Anordnung. Allerdings verändern sich die Grundformen dabei nicht. Somit bleibt die Gesamtstruktur als ein geschlossenes System bestehen, ohne dass sich auch nur eine Linie darüber hinaus erstreckt. Mit der Rauminstallation ohne Titel wird das kafkaeske Unterfangen beschrieben, Muster zu durchbrechen, deren Wurzeln weit über den „Küchentisch“ hinaus führen.

The spectator enters a mostly empty room. In the middle of the room is a white kitchen table. On the table, there is a huge sewing pattern sheet made of silk and tracing paper. At the bottom, there is a large, white paper sheet that spreads far beyond the table's edges. There is a tracing wheel on top of it. It is silent, the windows are shaded. A clinical, almost claustrophobic atmosphere reminds the visitor of an operation room.

A headphone that is hanging next to the table transports the noise of copying wheels' movement. Slow in the beginning, then increasingly faster, the sound rises to an impellent “sound tapestry”, reminding at angry dogs' barking or a car racing's drone. The sound boosts until becoming unbearable, then suddenly collapsing in a clash. A few seconds later, it will start anew.

What is being examined on this operation table?

The pattern sheet on the table is an assembly. It is composed of original patterns (burda fashion) of women's, men's and children's clothing: a pattern family.Beyond the pattern there is tracing paper and a plain paper sheet with countless punches created by the tracing wheel.

What looks like a disconnected structure of lines and dots at first sight, turns out as multiple slightly shifted copies of ever the same patterns. Although the act of copying created variations in the individual parts' alignment, the basic patterns remain unchanged. No line reaches beyond the structure's boundaries. The structure remains closed.

This work describes a repetitious yet ultimately vain attempt at grasping patterns whose roots spread far beyond the negotiation table.

Vita

2007-2013
Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Fachbereich Medienkunst
seit 2014
Mitglied im Bund Bildender Künstler Leipzig e.V.
2015/2016
Teil des Künstlerkollektivs Elli Kuruş